HRT · Ratgeber

Was kostet eine Hormonersatztherapie?

Konkrete Beträge für Erstgespräch und Folge-Termine, Medikament als GKV- oder Privatverordnung, was Krankenkassen erstatten — und warum die Beratung oft teurer wirkt als sie ist.

Eine Hormonersatztherapie (HRT) wird in Deutschland anders abgerechnet als reine Selbstzahler-Leistungen wie GLP-1. Der Hauptkostenpunkt ist die ärztliche Beratung — das Medikament selbst ist in der Regel GKV-erstattungsfähig.

Wir zeigen die realistischen Kostenbestandteile in Malvea-Partnerpraxen für Mai 2026, abgeglichen mit GOÄ-Sätzen und aktuellen Listenpreisen der Hersteller.

Ärztliches Erstgespräch (typisch 120–220 €)

Ein strukturiertes HRT-Erstgespräch dauert 45–60 Minuten — deutlich länger als ein Standard-GYN-Termin in der GKV-Sprechstunde. Erfasst werden: Symptomatik nach Greene-Climacteric-Skala, Hormonstatus-Bewertung, Vorerkrankungen, Familienanamnese (besonders Brustkrebs und Thromboembolien), Medikation, Kontrazeption.

GOÄ-Abrechnung typisch mit Ziffer 1 (Beratung), Ziffer 3 (eingehende Beratung), Ziffer 5/7 (Untersuchung), Ziffer 800 (eingehende neurologische/psychiatrische Beratung bei psychiatrischer Komponente) — bei 1,8-fachem Steigerungssatz ergeben sich 120–220 €.

Privatpatientinnen erhalten in der Regel volle Erstattung. Gesetzlich Versicherte bezahlen die HRT-Beratung in vielen Praxen selbst — die GKV-Sprechstunde sieht für ein 60-Minuten-Beratungsgespräch kaum Vergütung vor, daher wird die ausführliche HRT-Beratung als Selbstzahler-Sprechstunde abgerechnet.

Medikamentenkosten (typisch 10–35 € Zuzahlung pro Quartal)

Im Gegensatz zur Stoffwechseltherapie ist die HRT-Medikation bei klar dokumentierter Indikation GKV-erstattungsfähig. Körperidentisches 17-Beta-Östradiol als Pflaster (transdermal) wird in der GKV als Mittel der ersten Wahl bei moderaten bis schweren Wechseljahresbeschwerden geführt.

Pro Quartal beträgt die typische GKV-Zuzahlung (10% des Apothekenpreises, mindestens 5 € maximal 10 € pro Packung) zusammen rund 10–25 € für Östradiol-Pflaster plus 5–15 € für mikronisiertes Progesteron. Bei Privatpatientinnen liegt der Listenpreis pro Quartal je nach Präparat bei 60–120 €, vollständig erstattungsfähig durch PKV.

Liegt keine GKV-Indikation vor (z. B. „kosmetische" Indikation oder Anti-Aging-Hormontherapie ohne dokumentierte Symptome), erfolgt eine Privatverordnung — dann zahlt die Patientin den vollen Listenpreis.

Folge-Termine (50–90 € pro Termin)

Nach Therapie-Start sind zwei Folge-Termine im ersten Jahr Standard: nach 3 Monaten (Verträglichkeit, Dosis-Adjustierung) und nach 12 Monaten (Bilanz, Verlauf). Jeder Folge-Termin wird mit 50–90 € nach GOÄ abgerechnet — je nach Dauer und Diagnostik.

Bei Bedarf (z. B. Zwischenblutungen, ungewöhnliche Symptome) zusätzliche Termine. Diese werden ebenfalls als Selbstzahler-Beratung abgerechnet, weil die GKV-Sprechstunde keinen ausreichenden Beratungs-Slot vorsieht.

Ab dem zweiten Therapie-Jahr genügt typisch ein Jahres-Termin (60–90 €), kombiniert mit der regulären Krebsfrüherkennung.

GKV-Erstattung der Beratung — was möglich ist

Einige Krankenkassen (BARMER, Techniker, AOK in mehreren Bundesländern, HKK) erstatten in Einzelfällen einen Teil der HRT-Beratung — über das Strukturmodell oder als Modellprojekt. Die Erstattung ist nicht garantiert und wird im Einzelfall geprüft.

Antrag stellen lohnt: deine Frauenärztin stellt eine medizinische Indikationsbestätigung aus, mit der du bei deiner Kasse Erstattung beantragen kannst (§ 13 SGB V). Die Bewilligungs-Quote liegt regional bei 20–60% — höher in Bundesländern mit aktiven Modellprojekten.

Über die Beihilfe (Beamtinnen, Soldatinnen) erstatten die Stellen die HRT-Beratung in der Regel zu 50–70%, das Medikament zu 100% bei dokumentierter Indikation.

Häufige Fragen

Erstattet die GKV das Östradiol-Pflaster?

Ja, bei dokumentierter Indikation (mittelschwere bis schwere Wechseljahresbeschwerden, dokumentiert nach Greene-Skala oder analog) ist 17-Beta-Östradiol GKV-erstattungsfähig — du zahlst nur die übliche Rezept-Zuzahlung. Die ärztliche Beratung wird in vielen Praxen separat als Selbstzahler abgerechnet.

Wie viel kostet eine HRT-Beratung in München gegenüber Leipzig?

In Grossstädten mit hoher Praxisdichte (München, Frankfurt, Hamburg) bewegen sich Erstgespräche oft am oberen Ende der GOÄ-Spanne (180–220 €), kleinere Städte (Leipzig, Hannover, Bremen) am unteren (120–160 €). Der GOÄ-Steigerungssatz ist bundesweit gleich; der Unterschied entsteht über Termin-Dauer und Beratungstiefe.

Gibt es eine Online-HRT-Beratung, die günstiger ist?

Reine Online-HRT-Beratungen ohne körperliche Untersuchung gibt es — aber bei Frauenheilkunde ist die initiale körperliche Untersuchung (Brustpalpation, Pap-Abstrich, ggf. Mammographie-Empfehlung) Standard. Online-only ist nach AKNR-Präzedenz und § 9 HWG nicht werblich zulässig.

Was, wenn ich die Therapie nur als Anti-Aging will?

Hormonersatztherapie als reine Anti-Aging-Behandlung ohne dokumentierte Wechseljahresbeschwerden ist keine GKV-Indikation. In dem Fall wird die gesamte Therapie privat abgerechnet — Medikament und Beratung. Malvea-Praxen verschreiben HRT nur bei klar dokumentierter Indikation.

Wie lange muss ich HRT zahlen?

Solange die Therapie indiziert ist. Eine pauschale Maximaldauer gibt es nicht mehr — die NAMS-Leitlinie 2022 lehnt arbiträre Begrenzungen ab und empfiehlt fortlaufende Nutzen-Risiko-Bewertung. Viele Patientinnen bleiben 3–10 Jahre auf Therapie, einige länger.

Quellen

  • GOÄ — Bundesärztekammer 2024
  • NAMS 2022 Position Statement on Hormone Therapy
  • DGGG Leitlinie Peri- und Postmenopause 2024
  • Estradot®, Estramon®, Utrogest® — Fachinformationen, Stand 2025
  • § 13 SGB V — Erstattung im Einzelfall

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