Medizinisch geprüft
Dr. med. Antje Müller ·
HRT · Ratgeber

Welche Wirkstoffe werden in der HRT eingesetzt?

Östradiol, Progesteron, Östriol und Tibolon — Wirkprinzip, Applikationsformen und warum die Kombination und Darreichung individuell gewählt wird.

Die HRT ist kein einzelnes Medikament, sondern eine individuell zusammengestellte Therapie aus Östrogen-Komponente und (bei erhaltener Gebärmutter) Gestagen-Komponente. Diese Seite erklärt die zentralen Wirkstoffe sachlich.

Welcher Wirkstoff in welcher Form gewählt wird, entscheidet die Ärztin nach individueller Risiko-Nutzen-Abwägung.

Östradiol — die zentrale Östrogen-Komponente

Bioidentisches 17β-Östradiol ist Standard in der modernen HRT. Transdermale Anwendung (Pflaster, Gel) wird häufig bevorzugt, da sie mit einem geringeren Thrombose-Risiko assoziiert ist als orale Gabe (Studienlage).

Östradiol wirkt auf alle klimakterischen Symptome, am stärksten auf vasomotorische Beschwerden.

Progesteron — Endometriumschutz

Bei Frauen mit erhaltener Gebärmutter ist eine Gestagen-Komponente zwingend, um die Gebärmutterschleimhaut zu schützen (Schutz vor Endometriumhyperplasie/-karzinom). Mikronisiertes (bioidentisches) Progesteron gilt als bevorzugte Option.

Synthetische Gestagene wirken ähnlich schützend, haben aber teils abweichende Nebenwirkungsprofile.

Östriol — lokale Therapie

Östriol (schwaches Östrogen) wird als Creme, Zäpfchen oder Vaginalring bei urogenitalen Beschwerden (Trockenheit, Schmerzen, wiederkehrende Infekte) eingesetzt. Die systemische Resorption ist sehr gering — auch für viele Frauen mit Kontraindikationen gegen systemische HRT geeignet.

Tibolon

Tibolon ist ein synthetisches Steroid mit östrogen-, gestagen- und schwach androgener Wirkung. Indikation: Postmenopause mit Hitzewallungen und Libido-Mangel; kein zusätzliches Progesteron nötig.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Östradiol und Östriol?

Östradiol ist das wirksamste systemische Östrogen (gegen alle klimakterischen Symptome). Östriol ist schwächer und wird vor allem lokal gegen urogenitale Beschwerden eingesetzt.

Warum transdermal statt Tablette?

Transdermales Östradiol (Pflaster/Gel) ist laut Studienlage mit geringerem Thrombose-Risiko verbunden als orale Gabe — daher häufig bevorzugt, individuell abzuwägen.

Brauche ich immer Progesteron dazu?

Nur bei erhaltener Gebärmutter — dann zwingend zum Endometriumschutz. Nach Hysterektomie ist meist eine reine Östrogen-Therapie möglich.

Quellen

  • DGGG/AWMF S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause (Stand 2025).
  • NAMS Position Statement on Hormone Therapy. Menopause. 2022;29(7):767-794.
  • Stuenkel CA, et al. Endocrine Society Clinical Practice Guideline. JCEM. 2015;100(11):3975-4011.

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