Ablauf der Hormonersatztherapie.
Vom ersten Termin bis zur stabilen Erhaltungsdosis — der vollständige Behandlungspfad mit Zeitachse, Untersuchungen und Folge-Terminen.
Eine HRT ist eine Langzeit-Therapie und braucht entsprechend strukturierte Begleitung — nicht nur ein Rezept, sondern eine kontinuierliche Beratung über Jahre. Wir zeigen den Standard-Ablauf in Malvea-Partnerpraxen.
Der Ablauf basiert auf DGGG-Empfehlungen und ist auf substantielle ärztliche Zeit ausgelegt — deutlich mehr als eine GKV-Standard-Sprechstunde zulässt. Daher wird die Beratung als Selbstzahler-Sprechstunde abgerechnet.
Phase 0 — Anmeldung und Vorbereitung
Du füllst online den Malvea-Wechseljahres-Quiz aus (5 Minuten, ca. 9 Fragen zur Symptomatik nach Greene-Skala, Vorerkrankungen, Medikation, Familienanamnese). Bei plausibler Indikation wirst du an eine Malvea-Partnerpraxis in deiner Stadt geroutet.
Die Praxis nimmt innerhalb von 1–3 Werktagen Kontakt auf und vereinbart einen Erstgespräch-Termin — typisch innerhalb von 7–14 Tagen. Du erhältst vorab einen ausführlichen Anamnese-Bogen und einen Aufklärungs-Bogen.
Phase 1 — Erstgespräch (60 Min Termin)
Im Erstgespräch erfasst die Frauenärztin strukturiert: Symptomatik nach Greene-Climacteric-Skala, gynäkologische Vorgeschichte (Menstruation, Schwangerschaften, vorausgegangene Operationen), Brust- und Familienanamnese, Thromboembolie-Risikofaktoren, aktuelle Medikation, Lebensstil.
Es folgt eine körperliche Untersuchung: gynäkologische Tastuntersuchung, Brustpalpation, Blutdruck- und BMI-Messung, ggf. transvaginale Sonographie zur Endometrium-Dicken-Messung.
Bei Indikation wird die Aufklärung erläutert und schriftlich dokumentiert. Die Therapie wird nicht im selben Termin gestartet — du erhältst die Aufklärungsunterlagen mit nach Hause und entscheidest nach mindestens 24 Stunden Bedenkzeit. Bei sofortiger Entscheidung in der Praxis ist das Privatrezept bereits ausstellbar.
Phase 2 — Therapie-Start und Einstellungsphase (Monat 1–3)
Standardtherapie in Malvea-Praxen: transdermales 17-Beta-Östradiol als Pflaster oder Gel (Standard-Startdosis 50 µg/24h Pflaster oder 1 mg Gel täglich) + mikronisiertes Progesteron oral (100 mg täglich kontinuierlich, oder 200 mg/Tag zyklisch 12 Tage pro Zyklus in der Perimenopause).
In den ersten 4–6 Wochen treten oft milde Nebenwirkungen auf (Brustspannen, leichte Zwischenblutungen) — diese sind in der Regel selbstlimitierend. Falls nicht, wird die Dosis angepasst.
Telefonische Erreichbarkeit der Praxis ist Standard für Fragen während der Einstellungsphase. Bei Notfällen (starke Brustschmerzen, ungewöhnliche Blutungen, Beinschwellung) sofortiger Praxis-Kontakt.
Phase 3 — Erste Bilanz (Monat 3 Folge-Termin)
Nach 3 Monaten erfolgt ein erster Folge-Termin (30 Min). Inhalt: Symptomatik-Verlauf, Verträglichkeit, ggf. Blutungs-Muster, Blutdruck, Gewicht. Falls Symptome weiterhin signifikant sind, wird die Dosis nach oben adjustiert (z. B. von 50 auf 75 µg Pflaster). Falls Nebenwirkungen dominieren, Dosis nach unten oder Wechsel der Applikationsform.
Eventuell zweite Folge-Termine nach 6 Monaten, je nach Verlauf. Bei zufriedenstellender Einstellung kann die Therapie ab Monat 12 in den Jahres-Rhythmus übergehen.
Phase 4 — Erhaltungsphase (ab Monat 12, Jahres-Rhythmus)
Ab dem zweiten Therapie-Jahr genügt typischerweise ein Jahres-Termin (30–45 Min), gekoppelt mit der regulären Krebsfrüherkennung. Inhalt: Symptomatik (oft mittlerweile stabil und mild), Verträglichkeit, Anamnese-Update, Brustpalpation, ggf. transvaginale Sonographie bei kontinuierlicher Therapie.
Mammographie-Intervall folgt dem deutschen Krebsfrüherkennungs-Programm (ab 50 alle 2 Jahre). Bei familiärer Häufung oder anderen Risikofaktoren ggf. häufiger.
Die Therapie-Indikation wird in jedem Jahres-Termin neu bewertet — Beschwerden, Nutzen, individuelle Risiko-Faktoren. Eine pauschale Maximaldauer gibt es nicht. Bei Patientinnen, die nach mehreren Jahren weiterhin profitieren, kann die Therapie fortgesetzt werden.
Phase 5 — Therapie-Beendigung (wann immer indiziert)
Wenn die Therapie nicht mehr indiziert ist (Symptome verschwunden, Nutzen-Risiko ungünstig, Patientinnen-Wunsch), wird sie schrittweise reduziert — typisch über 3–6 Monate, um Rebound-Symptome zu mindern.
Beendigung ist nicht „Misserfolg" — bei vielen Frauen verschwinden Wechseljahresbeschwerden auch ohne Therapie nach 5–7 Jahren. Eine kontrollierte Beendigung mit guter Nachsorge ist Teil eines guten HRT-Pfads.
Häufige Fragen
Wann merke ich, dass die Therapie wirkt?
Vasomotorische Symptome (Hitzewallungen) bessern sich oft in den ersten 4 Wochen, mit deutlichem Effekt nach 8–12 Wochen. Schlafqualität verbessert sich parallel. Stimmungs- und kognitive Symptome brauchen oft 2–4 Monate für klaren Effekt. Genitale Symptome (Trockenheit) verbessern sich nach 2–4 Wochen.
Wie oft muss ich zur Mammographie?
In Deutschland gilt das Mammographie-Screening-Programm: ab 50 alle 2 Jahre als Standard. Bei HRT-Patientinnen ohne erhöhtes Risiko bleibt dieser Rhythmus. Bei familiärer Häufung oder anderen Risikofaktoren kann ein engerer Rhythmus indiziert sein — Entscheidung im individuellen Setting.
Kann ich Folge-Termine telemedizinisch machen?
Nach ärztlichem Erstkontakt sind Folge-Termine teilweise telemedizinisch möglich (kein gynäkologischer Befund nötig). Die Jahres-Bilanz und körperliche Untersuchung muss vor Ort erfolgen. Werbung für rein telemedizinische HRT verstösst nach AKNR-Präzedenz gegen § 9 HWG — daher kombinieren Malvea-Praxen Video- und Vor-Ort-Termine sinnvoll.
Was, wenn ich die Therapie pausieren will?
Möglich und wird in Malvea-Praxen unterstützt. Pausen sind keine „Behandlungsfehler" — sie helfen Patientinnen, ihre eigene Symptomatik einzuschätzen. Eine geplante Pause wird mit ausschleichender Dosis und Plan zur Wiederaufnahme bei erneuten Symptomen begleitet.
Wie wechsle ich zu einer anderen Praxis?
Du erhältst auf Anfrage einen vollständigen Therapie-Bericht (Anamnese, Befunde, Verordnungen) und kannst diese an die neue Praxis weitergeben. Bei Umzug in eine Stadt ohne Malvea-Partnerpraxis hilft die ursprüngliche Praxis bei der Empfehlung oder du trägst dich auf die dortige Warteliste ein.
Quellen
- NAMS 2022 Position Statement on Hormone Therapy
- DGGG S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause 2024
- Greene CG, A factor analytic study of climacteric symptoms, J Psychosom Res 1976
- Apothekerkammer Nordrhein, Entscheidung gegen Telemed-HRT-Werbung 2024