Medizinisch geprüft
Dr. med. Antje Müller ·
PCOS · Ratgeber

Wie wird PCOS diagnostiziert?

Die Rotterdam-Kriterien, das richtige Hormonlabor zum richtigen Zeitpunkt und warum PCOS eine Ausschlussdiagnose ist.

PCOS ist die häufigste hormonelle Stoffwechselstörung der Frau — und eine der am häufigsten zu spät diagnostizierten. Diese Seite erklärt die strukturierte Abklärung sachlich. Die Diagnose stellt ausschließlich eine Ärztin.

Wichtig: Eine einzelne Auffälligkeit (z. B. „polyzystische Ovarien" im Ultraschall) ist noch keine PCOS-Diagnose.

Die Rotterdam-Kriterien

Nach den Rotterdam-Kriterien (2003, bestätigt in der internationalen Leitlinie 2023) liegt PCOS vor, wenn mindestens zwei von drei Merkmalen erfüllt sind: (1) Oligo- oder Anovulation (seltener oder ausbleibender Eisprung, klinisch über Zyklusstörungen erkennbar), (2) klinischer oder biochemischer Hyperandrogenismus, (3) polyzystische Ovarmorphologie im Ultraschall.

Bei Jugendlichen gelten strengere Kriterien, da unregelmäßige Zyklen in den ersten Jahren nach der Menarche normal sein können.

Das Hormonlabor — Timing entscheidet

Typisch bestimmt werden: Gesamt- und freies Testosteron, SHBG, DHEA-S, Androstendion, 17-OH-Progesteron, LH und FSH, Prolaktin, TSH sowie AMH. Viele dieser Werte werden idealerweise in der frühen Follikelphase (Zyklustag 2–5) abgenommen — bei ausbleibendem Zyklus nach ärztlicher Maßgabe.

Ein falscher Abnahmezeitpunkt ist ein häufiger Grund für nicht verwertbare Befunde — daher gehört die PCOS-Diagnostik in eine strukturierte Sprechstunde.

Ultraschall & Ausschlussdiagnosen

Der transvaginale Ultraschall beurteilt Follikelzahl und Ovarvolumen. PCOS ist jedoch eine Ausschlussdiagnose: Schilddrüsenfunktionsstörungen, Hyperprolaktinämie und das nichtklassische Adrenogenitale Syndrom (über 17-OH-Progesteron) müssen abgegrenzt werden.

Ergänzend gehört ein metabolisches Screening (oraler Glukosetoleranztest, Lipidprofil) dazu, da PCOS eng mit Insulinresistenz verknüpft ist.

Häufige Fragen

Reicht ein Ultraschall für die PCOS-Diagnose?

Nein. Polyzystische Ovarien allein sind kein PCOS. Es müssen mindestens zwei der drei Rotterdam-Kriterien erfüllt und andere Ursachen ausgeschlossen sein.

Kann man PCOS trotz normalem Testosteron haben?

Ja — wenn Zyklusstörung plus polyzystische Ovarmorphologie vorliegen, ist die Diagnose auch ohne erhöhte Androgene möglich (2 von 3 Kriterien).

Wird PCOS unter der Pille erkannt?

Die Pille überdeckt Zyklus und Androgenwerte. Für eine saubere Abklärung wird sie oft pausiert — das Vorgehen legt die Ärztin individuell fest.

Quellen

  • Teede HJ, et al. International evidence-based guideline for PCOS (2023 Update). Hum Reprod / Eur J Endocrinol.
  • Rotterdam ESHRE/ASRM-Sponsored PCOS Consensus Workshop Group. Fertil Steril. 2004;81(1):19-25.

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